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Tipps und Hinweise

Tipps und Hinweise für die Praxis

Auf dieser Seite wurden Tipps und Hinweise für die Auswahl des Umrüstkonzeptes, des Umrüsters sowie für die Nutzung von Pflanzenölkraftstoff in Traktoren und Erntemaschinen zusammengetragen.

Welches Fahrzeug ist für eine Umrüstung geeignet?

Nicht alle Motoren, die heute in Traktoren zum Einsatz kommen, sind für eine Umrüstung auf Pflanzenölkraftstoff geeignet. Hier liegt die Verantwortung beim Umrüster, welcher auf verschiedenste Anforderungen mit entsprechenden Maßnahmen reagieren bzw. bei Nichteignung von einer Umrüstung Abstand nehmen sollte.

Die meisten Umrüster haben sich auf Traktoren und entsprechende Motorentypen spezialisiert – dies sollte bei der Wahl des Umrüsters berücksichtigt werden. Neben den bereits erwähnten Kriterien ist der Einsatzbereich des Traktors entscheidend. Mit einem hohen Anteil an Volllaststunden (z.B. Grubber- und andere Feldarbeiten) ist sichergestellt, dass die Verbrennungsvorgänge optimal ablaufen können. Wird der Traktor vorwiegend im Teil- oder sogar Leerlaufbereich (z.B. beim Antrieb von Nebenaggregaten, bei Landschaftspflegearbeiten etc.) eingesetzt, ist durch die unvollständigere Verbrennung mit einem vermehrten Auftreten von Ablagerungen im Brennraum zu rechnen. Weiter zu berücksichtigen ist ein erhöhter Pflanzenöleintrag ins Motorenöl. Die für den Pflanzenölbetrieb in der Regel bereits halbierten Wartungsintervalle sind in diesem Fall weiter zu verkürzen.

Welche Maßnahmen beinhaltet eine Umrüstung?

Die Anpassungsmaßnahmen im Rahmen einer Umrüstung variieren zum Teil sehr stark zwischen den einzelnen Anbietern. Lassen Sie sich vom Umrüster die durchzuführenden Einzelmaßnahmen im Vorfeld separat aufführen. Die Kosten der Anpassungen lassen sich dadurch leichter nachvollziehen und darüber hinaus mit anderen Konzepten vergleichen. Da beim Pflanzenöl neben der schlechteren Viskosität und Zündfähigkeit (Cetanzahl) auch der Aufwand für die Gemischbildung im Brennraum höher ist als bei Dieselkraftstoff, sind aufwändige Anpassungen erforderlich, welche im Folgenden beispielhaft aufgeführt sind:

  • Motorblockvorwärmung
  • vergrößerte Leitungsquerschnitte im Kraftstoffniederdrucksystem
  • stärkere Niederdruckkraftstoffpumpe
  • vergrößerte Kraftstofffilter
  • Vorwärmung des Rapsöls
  • Temperaturregelung für das Rapsöl vor der Hochdruckpumpe
  • rapsöltaugliche Hochdruckeinspritzpumpe
  • Einspritzdüsen mit höherer Anzahl an Düsenbohrungen
  • veränderte Einspritzgeometrie
  • Optimierung der Verbrennung über den Datensatz des Motorsteuergerätes.

Welche Referenzen hat der Umrüster?

Eine Liste mit umgerüsteten Fahrzeugen sollte für eine bessere Vergleichbarkeit durch das Umrüstunternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Eine Auflistung der Fahrzeuge sollte folgende Informationen enthalten

  • Fahrzeugart
  • Motortyp
  • Anzahl der Betriebsstunden
  • Baujahr
  • Kosten einer Standardumrüstung
  • etc.

Ein- oder Zweitank-System?

Der Vorteil des Eintank-Systems ist, dass alle Betriebszustände mit Pflanzenöl gefahren werden können - ein Umschalten zwischen Diesel und Pflanzenöl wie beim Zweitank-System entfällt. Für eine problemlose Kaltstartphase wird der Kraftstoff vor dem Startvorgang (z.B. durch elektrische Heizkomponenten) erwärmt. Bei niedrigen Außentemperaturen muss die Aufheizphase verlängert werden – gegebenfalls ist eine leistungsstärkere Batterie erforderlich. Eine Option sind zudem Stand- oder Zusatzheizungen, die jedoch in der Regel nicht rapsöltauglich sind. Hier ist ein separater Vorratsbehälter bzw. eine Anpassung der Komponenten erforderlich. Hierfür bieten eine Reihe von Umrüstfirmen Lösungen an.

Das Zweitank-System ist das einfachere und oft kostengünstigere Konzept. Hier wird bis zum Erreichen der Betriebstemperatur der Motor mit herkömmlichem Dieselkraftstoff betrieben. Ist diese Temperatur erreicht, wird manuell bzw. zum Teil auch automatisch auf Pflanzenölkraftstoff umgestellt. Vor dem Abstellen des Fahrzeuges muss erneut auf Dieselkraftstoff zurückgestellt werden, um so den folgenden Kaltstart mit Dieselkraftstoff zu gewährleisten. Als Pflanzenöltank wird in der Regel der vorhandene Kraftstofftank genutzt. Für Dieselkraftstoff wird ein zweiter Tank installiert, der von außen befüllbar sein muss.

Für eine wirtschaftliche Betrachtung sollte im Vorfeld der Einsatzbereich und damit der Verbrauchsanteil von Pflanzenöl bzw. Dieselkraftstoff abgeschätzt werden. In der Regel bewegt sich dieser bei 90 Prozent Pflanzenöl und zehn Prozent Dieselkraftstoff. Durch spezielle Maßnahmen der Kraftstoffvorwärmung kann die Betriebstemperatur schneller erreicht und damit die Dieselphase verkürzt werden. Häufige Kaltstarts und kurze Betriebszyklen erhöhen hingegen den Dieselkraftstoffanteil und machen eine Umrüstung oft unwirtschaftlich.

Welchen Mehraufwand muss der Betreiber einkalkulieren?

Die Praxis zeigt, dass die Sorgfalt beim Betreiben des Traktors eine entscheidende Rolle spielt. Der Traktorbesitzer muss darauf achten, dass jeder Fahrer mit den besonderen Anforderungen der Pflanzenölkraftstoffnutzung vertraut ist. Probleme treten vor allem auf, wenn ein Traktor von mehreren Personen genutzt wird.

Häufige Fehlerquellen sind:

  • Aufwärmphase vor dem Kaltstart zu kurz (Eintank-System)
  • Unnötiger Traktorbetrieb im Leerlauf
  • Beim Zweitank-System wird nicht rechtzeitig von Pflanzenöl- auf Dieselkraftstoff zurückgestellt
  • Unregelmäßige Überprüfung des Motorölstandes
  • Kraftstoffqualitäten entsprechen nicht den Qualitätsanforderungen (DIN V 51605)

Aus diesem Grund bieten eine Reihe von Unternehmen elektronische Überwachungssysteme an, die diese Fehler weiter minimieren sollen.

Der Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff führt, wie bereits mehrfach beschrieben, zu einem erhöhten Rapsöleintrag ins Schmieröl. Obwohl bei einigen Umrüstkonzepten Fahrzeuge mit einer Ölstandsüberwachung ausgestattet sind, ist eine regelmäßige Überprüfung durch den Betreiber erforderlich. Die Intervalle für Wartungsarbeiten müssen in Art und Umfang vom Umrüster festgelegt werden.

Ist Pflanzenöl ein Winterkraftstoff?

Wie bereits beschrieben, ermöglichen einige Konzepte einen ganzjährigen Pflanzenölbetrieb. Der Umrüster sollte entsprechende Hinweise für den Winterbetrieb liefern. Dies gilt z.B. auch für das Abstellen des Traktors über einen längeren Zeitraum.

Wer liefert das Pflanzenöl?

Da über das vorhandene Tankstellennetz keine flächendeckende Bereitstellung von Pflanzenölkraftstoff möglich ist, sollte bei der Umrüstung von Landmaschinen der Aufwand für die Kraftstoffbeschaffung bzw. die Option für die Errichtung einer Eigenverbrauchstankstelle geprüft werden. Hinweise zur Errichtung und Förderung von Eigenverbrauchstankstellen finden Sie unter Förderprogramm Biokraftstoffe.

Anbieter von Pflanzenölen finden Sie auf den Internetseiten des Bundesverbandes Pflanzenöle e.V. unter www.biotanke.de. Bei der Auswahl des Lieferanten ist darauf zu achten, dass der Kraftstoff die Kriterien der Vornorm DIN 51605 erfüllt. Die Kraftstoffqualität ist der Rechnung bzw. dem Vertrag zu entnehmen und sollte durch Rückstellproben abgesichert werden.

Wer zahlt im Schadensfall?

Bei der Auswahl eines Umrüstkonzeptes sollte Art und Umfang von Garantie-, Gewähr- und Versicherungsleistungen der einzelnen Unternehmen geprüft werden. Die Kosten für eine Versicherung sowie deren Anforderungen an die Schadensregulierung (Werkstattbindung, Kraftstoffqualität, etc.) variieren zum Teil sehr stark. Ein weiterer Punkt ist die Schadensabwicklung – neben den Kosten für z. B. Selbstbeteiligung ist zu prüfen, wie schnell der Schaden beglichen werden kann, um Folgekosten z. B. für Leihfahrzeuge zu vermeiden.

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