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E 10

Fragen und Anworten zu E 10

Was ist E 10?

Bei E10 handelt es sich um einen Ottokraftstoff mit einem maximalen Bioethanolanteil von zehn Prozent (bezogen auf das Volumen). E10 wurde in Deutschland im Jahr 2011 eingeführt, um die bereits bestehende Biokraftstoffquote durch die Mineralölunternehmen leichter erfüllen zu können.

Was ist Bioethanol und woraus wird es hergestellt?

Bioethanol wird als Beimischungskomponente zum fossilen Ottokraftstoff sowie als Bestandteil von E85-Kraftstoff oder von Ethyl-Tertiär-Butyl-Ether (ETBE) genutzt. Die Hauptausgangstoffe sind in Deutschland Futtergetreide und Zuckerrüben. Bei der Ethanolherstellung entstehen neben Kraftstoff auch Futtermittel als Nebenprodukt. So wird bei der Herstellung von einem Liter Ethanol aus Getreide ein Kilogramm Proteinfutter erzeugt.

Wie viel Kilogramm Getreide sind für einen Liter Ethanol erforderlich?

Für einen Liter Ethanol sind rund 2,5 Kilogramm Getreide erforderlich. Bei der Herstellung entstehen wiederum ein Kilogramm Proteinfutter als Nebenprodukt.
Für die anderen Pflanzen gilt die folgende Aufschlüsselung:

  • Körnermais: 2,4 Kilogramm
  • Zuckerrübe: 9,3 Kilogramm
  • Zuckerrohr: 11,4 Kilogramm (z.B. in Brasilien)

Welche Rolle spielt Mais für die Ethanolherstellung in Deutschland?

Die Hauptausgangstoffe für die Ethanolherstellung in Deutschland sind Futtergetreide und Zuckerüben. Anders als in den USA spielt der Mais für die Ethanolherstellung in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. So wird Mais für die Ethanolherstellung nur auf rund 15.000 Hektar angebaut, das entspricht etwa sechs Prozent der für die Ethanolherstellung verwendeten Pflanzen bzw. 0,23 Prozent der gesamten Getreideanbaufläche .

  • Landwirtschaftlich genutzte Fläche: ca. 16,8 Millionen Hektar
  • Ackerfläche: ca. 11,9 Millionen Hektar (weltweit: rund 1,5 Milliarden Hektar)
  • Getreideanbaufläche ohne Mais: 5,6 Millionen Hektar
  • Getreideanbaufläche mit Mais: 6,5 Millionen Hektar
  • Energiepflanzen: 2,1 Millionen Hektar
  • Rapsöl für Biodiesel/Pflanzenöl: 913.000 Hektar (= 7,67 Prozent der deutschen Ackerfläche)
  • Pflanzen für Bioethanol: 243.000 Hektar (= 2,04 Prozent der deutschen Ackerfläche)
    • davon Getreide (ohne Mais): 202.000 Hektar
    • davon Zuckerrüben/Rübenstoffe: 26.000 Hektar
    • davon Mais: 15.000 Hektar
  • Pflanzen für Biogas: 962.000 Hektar
  • Sonstige Energiepflanzen: 6.500 Hektar

Inwiefern schützt E10 die Umwelt und Ressourcen?

Mit der seit Anfang 2011 gültigen Nachhaltigkeitsverordnung hat die Bundesregierung festgelegt, dass ausschließlich Biokraftstoffe auf die Biokraftstoffquote angerechnet werden dürfen, wenn diese im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mindestens 35 Prozent an Treibhausgasen einsparen. In die Berechnung fließen die Emissionen, die bei der Herstellung des Biokraftstoffs entstehen, ein. Dies sind unter anderem Emissionen bei Anbau (z.B. Herstellung des Düngers), Transport und Verarbeitung.
Die reale Treibhausgasreduktion kann abhängig von den eingesetzten Rohstoffen und der Art und Effizienz der Verarbeitung deutlich höher liegen. Mit Bioethanol können Treibhausgaseinsparungen von bis zu 70 Prozent gegenüber fossilen Kraftstoffen erreicht werden. Die Treibhausgasbilanz des E10-Kraftstoffs ist daher abhängig von der Art des eingesetzten Bioethanols und vom tatsächlichen Bioethanolanteil im Kraftstoff.
Biokraftstoffe vermindern zudem unsere Abhängigkeit vom Erdöl. Der größte Teil des bei uns eingesetzten Bioethanols wird in Deutschland und Europa hergestellt. Dies sichert Arbeitsplätze und ermöglicht Investitionen in neue Technologien.
Zu bedenken ist auch: Unfälle bei der Förderung von Erdöl wie am Golf von Mexiko oder Unglücke von Hochseetankern, die Natur und Umwelt in katastrophalem Ausmaß schädigen, können bei Biokraftstoffen nicht vorkommen.

Wie sieht die Klimabilanz für E10 im Vergleich zum Super Benzin als fossiler Brennstoff konkret aus?

Um die Klimagasemissionen im Verkehrsbereich zu mindern, muss man technisch vor allem an zwei Stellen ansetzen: Am Fahrzeug und bei den Kraftstoffen. Für effizientere Fahrzeuge gibt es seit 2009 klare Vorschriften. Dieselkraftstoff kann bereits einen Anteil Biodiesel von bis zu sieben Prozent enthalten. Nun soll auch bei Benzin die Klimabilanz verbessert werden: Durch den Einsatz von E10 können jährlich in Deutschland gegenüber fossilen Kraftstoffen Treibhausgase eingespart werden, die rund zwei bis drei Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen. Das ist etwa die Menge, die ein Mittelklassewagen ausstößt, wenn er weit über 10 Milliarden Kilometer fährt. Dieses entspricht etwa der Strecke, die das Auto zurücklegen würde, wenn es mehr als 250.000-mal die Erde umrunden würde.

Aus welchen Ländern kommen die Rohstoffe für E10?

Der größte Teil des bei uns eingesetzten Bioethanols wird in Deutschland und Europa hergestellt. Bioethanol wird aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. Das in Deutschland verwendete Ethanol (u.a. in E5 und reinem Bioethanol) wird laut Umweltbundesamt aus folgenden Rohstoffen hergestellt:

  • zu rund 60 Prozent aus Getreide,
  • zu rund 30 Prozent aus Zuckerrüben, und
  • zu rund 10 Prozent aus Zuckerrohr.

Das Getreide und die Zuckerrüben stammen aus Europa. Das Zuckerrohr zur Herstellung des Bioethanols wird in Brasilien angebaut. Die Anbaugebiete liegen vor allem im Südosten (2005: 63 Prozent) und teilweise im Nordosten (2005: 19 Prozent) Brasiliens (IBGE, 2007). Beide Gebiete befinden sich weit entfernt vom Amazonasgebiet. Es ist zudem aus klimatischen Gründen nicht möglich, Zuckerrohr im Amazonasgebiet anzubauen (Instituto Interamericano de Cooperação para a Agricultura (IICA): "Brasil aumenta produção de cana sem agredir Amazônia", Noticias online, Quelle: MAPA), da Zuckerrohr in feuchten, also (sub-) tropischen Regionen keine Saccharose konzentrieren kann, sondern dafür ein eher trockeneres Klima benötigt. Alle in Deutschland verwendeten Biokraftstoffe müssen seit dem 1. Januar 2011 die europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen.

Macht der Biokraftstoff E10 unsere Lebensmittel teurer?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium beobachtet einen weltweiten Trend zu längerfristig steigenden Lebensmittelpreisen. Die Gründe hierfür sind vielfältig – der Anbau von Pflanzen für den Biokraftstoff E10 jedoch ist nachhaltig und trägt kaum zur Preissteigerung bei.
Zu nennen sind insbesondere:

  • das Wachstum der Weltbevölkerung (um ca. 80 Mio. Menschen pro Jahr),
  • der weitere Verbrauchsanstieg, ausgelöst durch steigenden Wohlstand auch in Schwellenländern. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage veredelter und qualitativ hochwertiger Lebensmittel,
  • weltweit abnehmende Lagerbestände,
  • Steigerung der Produktionskosten durch höhre Öl- und Gaspreise oder Löhne (dieser Faktor wirkt sich in der Ernährungswirtschaft stärker aus als die Agarrohstoff-Preise),
  • witterungsbedingte Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern (Waldbrände in Russland, Überschwemmungen in Australien etc.),
  • spekulative Einflüsse auf die Preisentwicklung bei Agrar-Rohstoffen, verstärkt z.B. 2008 durch die Finanz- und Wirtschaftskrise – dies hat die Auswirkungen der Missernten noch verstärkt.

Kurz: Der Faktor E10 beeinflusst die Agrarrohstoff-Preise (und damit die Preise der Lebensmittel) allenfalls in äußerst geringem Umfang.
Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland werden derzeit auf rund 240.000 Hektar Getreide und Zuckerrüben für Bioethanol angebaut, das zur Herstellung von E10 dient. Hiervon eine direkte Auswirkung auf unsere Lebensmittelpreise abzuleiten, ist abwegig. Zum Vergleich: Die gesamte Agrarfläche in Deutschland beträgt 12 Millionen Hektar – 12 Millionen Hektar, auf denen ganz überwiegend Pflanzen für Lebens- und Futtermittel angebaut werden.
Weltweit fließen mit ca. 162 Millionen Tonnen rund 9 Prozent der Weltgetreideernte in die Produktion von Biokraftstoffen. Dieser Anteil schwankt jedoch je nach landwirtschaftlicher Kulturart. Rund 17 Prozent der Welternte an Mais wurde für die Treibstofferzeugung verwendet, sowie rund 20 Prozent der Welternte an Zuckerpflanzen (Zuckerrüben und Zuckerrohr). Bei Palmöl lag der Anteil der für alle Energiezwecke verwendeten Welternte bei rund 4,7 Prozent. Die EU-Getreideernte wurde 2010 zu rund 3,3 Prozent für Biokraftstoffe verwendet.
Grundsätzlich gilt bei der Frage "Tank oder Teller?": Der Anbau von Nahrungsmitteln muss immer Vorrang haben vor dem Anbau von Energiepflanzen. Die Position der Bundesregierung ist hier eindeutig, denn die landwirtschaftlich nutzbare Fläche zur Produktion von Nahrungsmitteln ist weltweit begrenzt.

Geht die Herstellung von E10 zu Lasten der Welternährung?

Grundsätzlich gilt: Der Anbau von Nahrungsmitteln muss Vorrang haben vor dem Anbau von Energiepflanzen. Auf die Produktionsmenge haben neben der Marktentwicklung auch Witterung, Produktivität, Ernte- und Nachernteverluste Einfluss. Weltweit fließen mit ca. 162 Millionen Tonnen rund 9 Prozent der Weltgetreideernte in die Produktion von Biokraftstoffen. Dieser Anteil schwankt jedoch je nach landwirtschaftlicher Kulturart. Rund 17 Prozent der Welternte an Mais wurde für die Treibstofferzeugung verwendet, sowie rund 20 Prozent der Welternte an Zuckerpflanzen (Zuckerrüben und Zuckerrohr). Bei Palmöl lag der Anteil der für alle Energiezwecke verwendeten Welternte bei rund 4,7 Prozent. Die EU-Getreideernte wurde 2010 zu rund 3,3 Prozent für Biokraftstoffe verwendet. Richtig ist aber auch: Hunger ist vor allem ein Armutsproblem. Es hat mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun und bedeutet nicht, dass grundsätzlich zu wenig Nahrungsmittel produziert würden.

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